Exsila – der Niedergang einer Idee?

Tauschen statt kaufen! Das war der Slogan mit dem im August 2006 exsila.ch, eine neue Art Medientauschbörse, in der Schweiz an den Start ging. Die Idee dahinter war einerseits banal und andererseits, gerade weil es so naheliegend war, gleichzeitig so revolutionär und innovativ. Auf exsila.ch ging es darum seine eigenen DVDs, Games, Blu-rays und andere Medien zu tauschen. Da auf dieser Plattform die Tatenträger, Bücher, etc. real (zum in die Hand nehmen und so) getauscht wurden, ohne sie in eine illegale, digitale Form umzuwandeln, war dieser Vorgang absolut legal und mit jedem gängigen Rechtssystem vereinbar.

Das viel gelobte und immer wieder proklamierte Tauschen statt Kaufen ist seit Juli 2011 Geschichte. Heute heisst der Slogan: „Kaufen und Verkaufen leicht gemacht.“ Mit diesem neuen Slogan und den damit verbundenen Änderungen am System verabschiedet sich eine grossartige Idee und wandelt sich zu einer weiteren ebay-esken Plattform mit einigen Alleinstellungsmerkmalen. Ob diese speziellen Merkmale reichen, um im Markt bestehen zu können, wird die Zukunft zeigen.

Exsila war und ist teilweise auch heute noch eine geniale Plattform um Medien wie DVDs oder Games kostengünstig oder sogar gratis mit anderen Personen zu tauschen. Vor allem bei Spielen war dies sehr interessant, weil man mit der Zeit ein Spiel für ein paar wenige Franken spielen konnte wenn man es richtig angestellt hat. Für Personen die noch nichts von Exsila gehört haben tönt dies jetzt wahrscheinlich absolut unverständlich, daher versuche ich nun kurz zu erklären, wie das Ganze funktioniert hat.

  • Person A will unbedingt endlich mal Call of Duty Modern Warfare nachholen, hat aber kein Geld um es zu kaufen oder keinen Freund um es auszuleihen.
  • A: Sucht aus seiner immensen Spiele- und DVD Sammlung einige Titel raus, die sie nicht mehr will und als Tauschware für Exsila verwenden will. Sie erfasst die Medien in Exsila als Tauschgegenstände und wartet darauf dass jemand etwas bestellt.
  • Person B sieht die Angebote von A und bestellt die komplette Sammlung Command & Conquer von A. Da B ja nicht weiss, dass A CoD MW haben will, können die beiden nicht einfach die Spiele untereinander tauschen.
  • Es folgt der Auftritt der Exsila-Punkte. Diese Punkte werden als virtuelle Währung gebraucht um die Tauschgeschäfte abzuwickeln und so einen Tausch über drei Ecken zu ermöglichen.
  • A kriegt also von B x Exsila-Punkte für Command & Conquer, das A per Post an B schickt. Der Austausch der Punkte findet erst nach abgeschlossenem, erfolgreichem Tausch statt. Das Punktekonto von A wird um x Punkte vergrössert.
  • Person C hat CoD MW und will es nicht mehr. C stellt also CoD MW auf Exsila und wartet.
  • A findet und bestellt sich das Angebot von C für y Exsila-Punkte. Das Punktekonto von A wird um y Punkte verkleinert.
  • C versendet CoD MW an A per Post.

So, ich hoffe ich habe mit dieser Erklärung nicht alle Klarheiten beseitigt. Wer mehr wissen will, kann sich gerne detailliert informieren in der Exsila-Hilfe (http://www.exsila.ch/hilfe).

Dieses System hat bis vor kurzem sehr gut funktioniert und war sehr Kostengünstig. Wenn man nämlich wie ich, mit der Zeit so viele DVDs und Games weggetauscht hat, dass man ein Exsila-Punktekonto von über 1000 angehäuft hat, so hatte man ein gutes Punktepolster um sich so ziemlich jedes Spiel und jede DVD zu holen.

Natürlich war das Ganze nicht gratis, einerseits hat der Versand der Medien jedes Mal etwas gekostet (inkl. Verpackungsmaterial ca. 2 CHF), andererseits hat Exsila irgendwann angefangen eine kleine Gebühr (Anfangs 2% dann 6% des Tauschpreises) für den Tausch zu erheben und die weggetauschten Medien haben ja auch mal Geld gekostet. Der Vorteil des ganzen Systems war, dass ich mit dem gleichen Geld welches ich schon für alte Spiele etc. ausgegeben habe, neue kaufen konnte.

Das Verfahren lief so: Nachdem ich das neue, eingetauschte Spiel durch hatte, musste ich es jeweils so schnelle wie möglich wieder auf die Plattform stellen, damit ich so viele Punkte wie möglich zurückerhalten konnte. Da neue Spiele immer einen rapiden Preiszerfall mit sich bringen, konnte man in den wenigsten Fällen die gleiche Anzahl Punkte rausholen. Über die vergangenen fünf Jahre habe ich mir ausgerechnet, dass ich mit diesem Verfahren im Durchschnitt pro Spiel ca. 15 – 25 CHF bezahlt habe. Das waren aber überwiegend neue, brandaktuelle Spiele und nur äusserst selten solche alten Pixelgräber wie aus dem obigen Beispiel. Das ist doch eine ganz gute Preisgestaltung für neue Spiele, oder nicht?

Bei neuen Filmen auf DVD war die Rechnung sogar noch besser. Ich glaube ich habe in den vergangenen fünf Jahren keine DVD geschaut, für die ich mehr als 5 CHF bezahlt habe. Ok klar, das ist mehr wie ein Mietpreis anzusehen, da in diesem Preis eigentlich nur das einmalige Ansehen und wieder wegtauschen enthalten ist. Der Preis ist aber dennoch sehr gut, da kann kaum eine Videothek oder ein iTunes mithalten.

Ist doch alles super, wo liegt der Hacken? Habe ich auch gedacht und plötzlich ist dann die folgende Mail gekommen:

Hallo Micha

Dies ist ein Spezialnewsletter mit wichtigen Änderungen zu Exsila. Deshalb werden diese Information auch an alle Mitglieder versendet, welchen den normalen Newsletter nicht abonniert haben.

Die Änderungen auf einen Blick

1. Exsila senkt die Verkaufsgebühr von 6 auf 5%.
2. Exsila verrechnet alle Verkaufsgebühren in Schweizer Franken. Dies betrifft auch Transaktionen in Exsila-Punkten.

Diese Änderungen treten per Donnerstag, 28.07.2011 in Kraft. Alle in der Zwischenzeit (bis 27.07.2011) getätigten Käufe und Verkäufe sind nicht davon betroffen und werden nach dem bestehenden Gebührenmodell verrechnet.

Das Einstellen von Angeboten ist weiterhin kostenlos und mit unbeschränkter Laufzeit möglich.

Von der Tauschbörse zur Handelsplattform

Dies ist der letzte Schritt in einer Reihe von Anpassungen, welche in den letzten Wochen und Monaten stattgefunden haben. Exsila vollzieht somit den Wechsel von der Tauschbörse zur Handelsplattform.

Exsila ist damit nicht mehr kostenlos. Das Exsila-Team ist sich bewusst, dass dieser Schritt der ursprünglichen Philosophie von Exsila widerspricht. Der aktuelle Trend im Bereich DVDs macht diesen Schritt aber nötig. Wir wünschen uns, dass wir dir weiterhin tolle Angebote und den gewohnten Service bieten dürfen.

Hast du Fragen und Kommentare zu den jüngsten Veränderungen? Gerne beantworte ich deine Anfrage persönlich per Email: hc.al1506010231isxe@1506010231gneuk1506010231.nevu1506010231or1506010231

Liebe Grüsse
Rouven Küng, Gründer von Exsila

Es folgen Auszüge aus dem Mailverkehr den ich mit Rouven Küng nach diesem Mail hatte.

Im ersten Augenblick war ich natürlich sehr enttäuscht und haben mich zu nicht verifizierten Aussagen hinreissen lassen:

Ich finde die Entwicklung von Exsila in den vergangenen Monaten sehr schade. Als Mitglied der ersten Stunde bin ich sehr enttäuscht.

Ich muss mir ernsthaft überlegen, ob ich in Zukunft noch an dieser Plattform partizipieren will. Bei Ricardo oder iTunes kriege ich mittlerweile bessere Konditionen und habe erst noch keine Versandkosten.

Schade.

Antwort von Rouven:

Hallo Micha

Exsila hat sich bisher mit dem Verkauf von Exsila-Punkten finanziert. Dies ist leider nicht mehr möglich. Die Kosten müssen neu über alle Transaktionen verteilt werden. Die Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen, der Schritt ist aber für den Weiterbestand von Exsila nötig. Verkäufe von DVDs sind seit Jahren weltweit rückläufig. Dies eine schlechte Ausgangslage für eine reine DVD-Tauschbörse. Deshalb muss Exsila sich weiterentwickeln.

Falls Du Dich gegen Exsila entscheidest, möchte ich mich für Deinen Einsatz bedanken. Dies würde ich umso mehr bedauern, da Du seit Mai 2007 mit dabei bist und somit zu den ersten Exsilanern gehörst.

Viele Grüsse

Rouven

Analyse von mir:

Hallo Rouven

Ich verstehe ja grundsätzlich das Problem. Ich denke aber auch, dass Exsila sich die heutigen Problematiken zu einem grossen Teil selber zuzuschreiben hat. mit der Art und Weise wie ihr Punkte jahrelang „verschenkt“ habt mit den Bonusprogrammen beim Einkauf etc. war für mich schon lange klar, dass dies inflationäre Tendenzen hervorrufen wird. Nun versucht ihr dem entgegenzuwirken mit dem Einführen einer neuen Währung und einmalkauf Angeboten die eigentlich niemand will.

Dies alles zielt wohl darauf ab, dass das System wieder nach unten reguliert wird.

Schade ist dabei nur, dass durch die totale Umstellung auf CHF die Exsilapunkte als Währung früher oder später verschwinden werden. Was bringt es mir als Punkte Anhänger noch, wenn ich trotzdem immer auch noch CHF in das System buttern muss um die Gebühren zu bezahlen?

Viele werden versuchen ihre Punkte abzustossen und in CHF umzuwandeln, da gehe ich jede Wette ein.

Für mich mit einem Punktekonto von über 1000 ist das eine sehr schlechte Tendenz und ich sehe auch nicht, was ich jetzt mit meinen Punkten anfangen soll. Dazu kommt noch eure sehr kurzfristige Kommunikation was mich als Benutzer einfach vor Tatsachen stellt und mir noch einige Wochen gibt um mich damit abzufinden. Das alles finde ich nicht sehr fair.

Wenn die DVD Verkäufe rückläufig sind und damit verbunden auch die Tauschvorgänge, einfach die Gebühren zu erhöhen ist ausserdem alles andere als Innovativ. Ich denke, damit werdet ihr Exsila kurzfristig wohl retten können, aber der Markt tendiert nun mal in eine andere Richtung. Innovativ wäre z.B. eine Streamingplattform einzuführen und damit Exsila in den neuen Märkten zu verankern. Ich denke über kurz oder lang wird sich mit Datenträgern kein Geld mehr verdienen lassen.

Freundliche Grüsse

Micha

Letzte Antwort von Rouven

Hallo Micha

Danke für Deine Einschätzung. Einige Punkte werden sich wohl erst in der Zukunft zeigen.

Viele Grüsse

Rouven

Kommen wir zum Fazit dieses Beitrags.

Rouven hat es in seinem letzten Mail sehr gut gesagt, erst die Zukunft wird zeigen ob Exsila so funktioniert und ob sich wirklich Geld damit verdienen lässt. Erste Tendenzen, die man auf Exsila bei den aktuellen Games sehen kann, gehen klar in die Richtung, welche ich in meiner Analyse skizziert habe. Die Benutzer beginnen damit, ihre Medien nur noch in CHF anzubieten und die Exsila-Punkte treten in den Hintergrund.

Das wichtigste und meiner Meinung nach einzige Alleinstellungsmerkmal, das Exsila heute bietet, ist die Möglichkeit ein Produkt unmittelbar zu kaufen ohne eine langwierige und teils mühsame Auktion abzuwarten. Dies ist für den Einkauf von Spielen nach wie vor interessant, solange die Preise nicht zu hoch ausfallen.

Für DVDs wurde die Plattform mit der Umstellung auf einen Schlag sehr uninteressant. Nach meiner Rechnung kostet mich das einmalige Ansehen einer DVD mit dem neuen System zwischen 4 und 5 CHF und zwar in Cash und nicht in Punkten und auch nur, wenn man es hinkriegt, die DVD gleich wieder für das gleiche Geld wegzutauschen. Dabei muss ich aber mindestens 1 Tag, maximal sogar 10 Tage, auf die DVD warten. Wenn ich auf iTunes einen neuen Film ausleihe kriege ich ihn in der gleichen Qualität für 6 CHF (ältere Filme sogar für 3.5 CHF), kann ihn aber unmittelbar nach dem Kauf anschauen und muss nicht erst den Versand abwarten. DVDs werde ich mit ziemlicher Sicherheit nicht mehr auf Exsila handeln sondern bei iTunes mieten.

Ich denke ich werde in Zukunft immer noch viele meiner Spiele nicht im Laden oder Internetshop einkaufen, sondern über eine der gängigen Second Hand-Verkaufsplattformen. Wo ich früher alles bei Exsila gehandelt habe, funktioniert mein System jetzt nach dem Motto: „Wo kriege ich am günstigsten und in der kürzesten Zeit mein Spiel her.“ Ob dabei Exsila, Ricardo oder Ebay mein Geld erhält ist mir jetzt aber absolut egal geworden, ich zahle ja überall das gleiche Geld. Wenn viele Kunden so funktionieren, so kann sich Exsila in Zukunft nur behaupten, wenn die Datenträger plötzlich einen immensen Boom erleben oder die Preise und Einkaufsbedingungen bei Exsila so lukrativ sind, dass ich mich nicht an die Konkurrenz wende.

Boom bei Datenträgern? Wohl eher nicht!

Lukrative Preise und Einkaufsbedingungen? Schon eher, aber als Verkäufer zahle ich bei Exsila jedes Versandporto selber und muss es also auf den Preis schlagen oder mit weniger Einnahmen zufrieden sein. Ob sich das lohnt muss jeder selber entscheiden.

Was denkt ihr über den Systemwechsel bei Exsila? Was sind eure Erfahrungen mit Second Hand-Käufen? Wo kauft ihr eure Spiele, DVDs etc.? Sagt es mir und den anderen Lesern in den Kommentaren.