Kommt, wir mobben mal die Koreaner

Koreaner sind pöse pöse Menschen. Das weiss doch seit der 2002er Rede von George double-u jedes Kind. Immerhin wurden damals Nordkorea, Iran und der Irak als die „Achse des Bösen“ bezeichnet die aufrüsten, um den Frieden der Welt zu bedrohen (den Frieden der Welt?). Etwa ein Jahr darauf zog die Koalition der Willigen aus, um dieser Achse des Bösen das Handwerk zu legen. 2003 begann der 2. Irakkrieg.

Soviel zur Geschichte. In Homefront, dem neusten Egoshooter aus dem Hause THQ befinden wir uns in einer Zukunft, die von der Supermacht Korea beherrscht wird. Nordkorea hat sich kurzerhand wieder mit Südkorea zusammengetan und unterjocht nun die ganze Welt indem sie ein Land nach dem anderen annektieren. Gepaart mit einem Konflikt der grossen Ölstaaten entsteht eine grosse Wirtschaftskrise in den USA welche dazu führt, dass der Dollar nichts mehr Wert ist und der Staat mehr oder weniger zusammenbricht. Dieses Machtvakuum im Westen wird vom vereinigten Korea ausgenutzt. Die Koreaner starten eine Invasion der USA. Die US Armee kann dem nichts entgegensetzen. Es entstehen Widerstandsgruppen in der Bevölkerung welche den Kampf aufnehmen.

Diese Vorgeschichte, im Videoclip-tempo geschnitten, ist der Einstieg in Homefront. Einem actionlastigen Egoshooter der Klasse „ich kopiere mir mal alles zusammen was Kasse macht“. Was das Gameplay des Spiels angeht kann man es kurz zusammenfassen mit: Brachiale Action bis zum Erbrechen schon wieder. Saudumme KI mit hellseherischen Fähigkeiten wenn es um das Entdecken von Spielern geht schon wieder. Gescriptete Sequenzen an allen Ecken und Enden schon wieder. Gegnerwellen die nie aufhören und eine Spiel-Engine, die die besten Tage schon gesehen hat.

Gewürzt wird das ganze mit dem „Why we fight“ Konzept der Entwickler. Damit wollen sie dem Spieler einen Grund geben all die pösen Koreaner zu killen. Dies manifestiert sich dann zum Beispiel in einer Mutter mit Baby die (beide schreiend) im Hinterzimmer des Hauses herumrennt in dem man sich gerade ein Gefecht mit dem Feind liefert. Es soll den Beschützerinstinkt im Spieler wecken. Eine andere Szene ist ein Massengrab, in das gerade Leichen geschaufelt werden. Dies bringt den einen Kameraden dazu durchzudrehen und wie wild auf die koreanische Übermacht zu feuern. Oder die Szene an der wir mit dem Bus vorbeifahren bei der gerade die Eltern eines ca. 3-4 jährigen Knaben ohne Grund hingerichtet werden. Alles drückt sehr stark auf die Angst/Wut/Hass Drüse und verleitet einem dazu die Koreaner WIRKLICH zu hassen weil sie so schlechte Menschen sind.

Das Spiel lässt den Spieler danach allerdings immer zurück in einem Action-Baller-Feuerwerk, das COD und all die anderen Actionshooter Vertreter manchmal blass aussehen lässt. Leider ist damit die ganze Kontroverse um diese Zenen, die die Entwickler ja nach eigenen Angaben wollen, sofort wieder vom Tisch und es geht nur noch darum die armen Toten zu rächen oder die Schweine abzuschlachten die das gemacht haben.

Bei mir hinterlässt das Spiel einen sehr schalen Nachgeschmack. Die Weltanschauung die das Spiel vermittelt ist keine Minute weiter als die Rede von George W. Bush im Jahr 2002. Was das Ganze für mich grenzwertig macht, ist der selbstverständliche Umgang mit Nationen, Personen und Feindbildern die heute weit verbreitet sind und die diese Welt weder friedlicher, noch besser machen. In Homefront wird ein Weg eines Landes vorgezeichnet, der nichts mit der Realität zu tun hat und doch realistisch rüberkommt. Die Menschen dieses Landes sehen dabei nur blutrünstig und schlecht aus.

Sogar der eine Kamerad, der dem Widerstand angehört, koreanischer Abstammung ist und in den meisten Missionen an unserer Seite kämpft betont im Spiel, dass er schon immer Amerikaner war und in Amerika aufgewachsen ist. Zwischen den Zeilen lesend bedeutet dies für mich, dass man als Koreaner der in Korea aufgewachsen ist keine Chance hat „richtig“ sozialisiert zu werden. Warum musste dieser Kämpfer betont Amerikaner sein? Ist es dem Publikum nicht zuzumuten, dass einer dieser durch und durch bösen Agressoren soviel Reflexionsfähigkeit besitzen kann, um zu desertieren und sich dem Widerstand anzuschliessen?

Das Setting des Widerstands fände ich ja nicht mal so schlecht. Aber wenn ein amerikanisches Entwicklerstudio und ein amerikanischer Publisher zusammen ein Spiel entwickeln kann der Feind ja nur ausserhalb liegen. Alles Andere wäre ja wohl Landesverrat und un-amerikanisch. Bei diesem Spiel geht es THQ vor allem darum, endlich auf den Zug der Call of Duty’s und Medal of Honor’s aufzuspringen und mit Angst, Hass und Patriotismus Kasse zu machen. Das ganze „Why we fight“ Konzept ist dabei nur billiges Marketing und nichts anderes.

Warum nicht mal ein Szenario zeichnen in dem das eigene Land in naher Zukunft von Hardlinern übernommen wird, die Freiheit eingeschränkt wird, andere Länder ohne Gründe angegriffen werden, Menschen in Gefangenenlager gesteckt werden, Folter an der Tagesordnung ist, die Presse zensiert wird und alles und jeder überwacht werden? Oh… Wait…

Da würde doch ein Widerstand genauso Sinn machen und man müsste nicht eine ganze Nation als Feind darstellen/aufbauen.

Wie ging doch gleich der Spruch mit dem Besen und der eigenen Haustüre?

Gespielt wurde ein gekauftes Exemplar auf der XBOX 360 im Singleplayer. Auf den Multiplayer hatte ich danach keinen Bock mehr.

 

Veröffentlicht von

keats

keats spielt, liest, hört und lebt auch sonst noch...

2 Gedanken zu „Kommt, wir mobben mal die Koreaner“

  1. Sehr schöner Text und leider hast Du Recht. Man hätte aus dem Setting wirklich VIEL mehr rausholen können, nein *müssen*. Da es sich trotzdem gut verkauft hat, kann man höchstens hoffen, dass Homefront 2 besser wird…

  2. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Wenn sie den Nachfolger besser machen, dann hoffentlich auch gleich etwas offener was die Weltpolitik angeht. Die besteht nicht und bestand noch nie aus Gut (usa) und Böse (rest). Wobei das ein Punkt ist, den man fast jedem Armyshooter vorwerfen kann, leider.

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