James Bond 007: Blood Stone

Spielen auf Schienen, das ist in etwa das Gefühl, das einen von Anfang an begleitet, wenn man das neue James Bond Blood Stone spielt. Kurz zusammengefasst: Null Innovation, null Schwierigkeit, null Grafik. Alles, was man sieht, ist irgendwo geklaut oder einfach schlecht kopiert. Ich hatte seit langem wieder mal wirklich Bedenken ein Spiel fertig zu spielen, weil es mich teilweise so gelangweilt hat.

Aber beginnen wir doch am Anfang: Die ersten Minuten sind ja recht spaßig und es kommt auch sowas wie 007-Stimmung auf. Das Intro ist direkt im Game und wird selber gespielt. Wie von den Bond-Filmen gewohnt, kommt der Titelsong und eine kunstvolle Animation erst nach den ersten Szenen und die eigentliche Story beginnt danach.

Steuerung – Alles Banal

In dieser ersten Sequenz wird man sehr rudimentär in die Steuerung eingeführt, das heißt man lernt zu Prügeln und zu Schießen – und das war’s vorerst auch schon. Später im Spiel bekommt man noch ein Smartphone, mit dem man ALLES sieht und das auch noch kurz erklärt wird, aber dazu später mehr. Diese kurze Einführung in die Steuerung reicht vollkommen aus, da das Spiel absolut keine Ansprüche an niemanden stellt. Die einzige Herausforderung des Spiels ist es, die richtige Deckung zu wählen, aus der man dann alle Gegner aufs Korn nehmen kann oder in der man einfach nur wartet bis ein Gegner um die Ecke schaut und ihn dann mit einem Drücker auf eine Taste verprügelt.

Ja genau, ihr lest richtig, die Prügeleien, die in den Teaservideos alle so super cool ausgesehen haben, machen wirklich nichts mehr als super cool auszusehen. Alle Attacken von „Hand“ lassen sich mit einem  einzigen Drücker auf eine Taste auslösen. Danach seht ihr ein Quick Time Event, das den Gegner beseitigt und in dem ihr unsterblich seid. Dann geht es weiter mit der sinnbefreiten Ballerei. Eine andere Taste lässt euch in die Deckung hechten, in der ihr ebenfalls nicht zu verwunden seid, außer ein Gegner ist ausnahmsweise mal so gescheit, dass er eure Deckung umläuft, was aber nur passieren kann, wenn ihr kurz mal auf dem WC seid und einfach keine Lust hattet die Pause-Taste zu drücken.

Aber noch nicht genug: Als zusätzliche Erleichterung habt ihr die Fokus-Funktion. Wenn ihr Gegner wie eben beschrieben mit der Hand ausschaltet, laden sich maximal drei Fokuspunkte auf. Mit jedem Fokuspunkt könnt ihr nun einen Gegner killen, ohne dass der reagieren kann. Diese „instant kill“-Funktion erinnert stark an das letzte Splinter Cell, mit dem Unterschied, dass ich als Bond nicht von der Decke hängen kann. Dann hab ich noch das Smartphone. Mit dem kann ich durch Wände sehen und alle Gegner entdecken, es zeigt mir, wie ich durch das Level komme, welche Fässer und Flaschen explodieren wenn ich drauf schieße und was überhaupt beschießbar ist. Wenn man bis jetzt noch einen Funken an Spannung und Schwierigkeit gefunden hat, dann ist er nun im Smartphone untergegangen.

Back to the 70’s

Kommen wir zur Grafik und Technik. Die ist teilweise so grottenschlecht, dass ich an einigen Stellen verwundert stehen blieb, in die Runde geschaut habe und mich gefragt habe, ob die Entwickler das wirklich ernst meinen. Ein kleines Beispiel: in einer Mission befinde ich mich in Nizza und laufe durch einen Park, während über dem Meer ein Feuerwerk abgebrannt wird. Im Park stehen Leute herum, die das Feuerwerk betrachten. Das tönt doch eigentlich ganz nett – nur, dass die Feuerwerksgrafik so schlecht ist, dass mir fast das Mittagessen wieder hochgekommen ist.

Die Explosionen am Himmel sehen doch echt aus als wenn sie aus Pong und den 1970ern entsprungen wären – es sind nur Pixel, die in den Himmel gezeichnet werden. Mir ist da gerade ein alter Screensaver in den Sinn gekommen, der mal vor 1o Jahren auf allen SUN Solaris (UNIX) Rechnern als Standard installiert war, nur dass dieser schon komplexere Animationen hatte als James Bond Blood Stone heute 2010 bietet. Dazu kommen noch die Audiokommentare der NPC’s im Spiel, die gerade mal 2 Sätze drauf haben. Einer lautet sinngemäss: „Ach wie schön ist doch das Feuerwerk“. Der andere: „Ich liebe solche Abende“ (der genaue Wortlaut ist mir leider aus Langeweile entfallen). Diese beiden Sätze werden nun bis zum Erbrechen wiederholt, wenn man neben den NPCs stehen bleibt. Also bitte, Activision Blizzard und Bizarre Creations, das kann doch nicht euer Ernst sein.

Gib Gas und es lässt Krachen

So, nun zu dem einzigen Guten, was ich an dem Spiel lassen kann. Die Verfolgungsjagden. Diese sind wirklich gut inszeniert und machen auch Spaß. Man fühlt sich zwar immer wie in einem Split/Second Rennen, weil alles rundherum in die Luft fliegt und sich die Strecke teilweise vor den eigenen Rädern in Luft auflöst, aber das macht nicht viel aus. Die Steuerung ist zwar nicht so gut, wie bei einem reinrassigen Rennspiel, aber sie ist durchaus mit einem x-beliebigen Arcade Racer zu vergleichen. Die Grafik wirkt auch gleich viel schöner in den Renneinlagen und nicht mehr so platt und texturarm wie im Rest des Spiels. Leider gibt es im ganzen Spiel nur 4 oder 5 solcher Verfolgungsjagden, aber in diesen Szenen merkt man, dass der Entwickler Bizarre Creations früher für Project Gotham Racing und im laufenden Jahr auch für Blur Verantwortung zeigte. Sie hätten sich evtl. besser auf das konzentriert, was sie schon gut können und weiterhin Rennspiele produzieren sollen.

Bösewicht, Ober-Bösewicht, Ober-Ober-Bösewicht… Wer behält da noch den Überblick?

Gehen wir noch kurz auf die Story ein: Die beginnt irgendwie ganz gut für einen Bond, hat dann in der Mitte eine komische Wende, die ich nicht nachvollziehen kann und am Schluss im Epilog wiederholt sich das Ganze nochmals. Ich habe zwar nicht begriffen, warum in der Hälfte des Spiels der Bösewicht stirbt und dann urplötzlich aus dem Nichts ein Neuer auftaucht und das am Schluss nochmals. Beides wird nicht erklärt oder durch Bond recherchiert, er weiss es einfach… Aber er ist ja James Bond, 007, Agent des MI6 und das war ja früher schon oft so. Alles in allem kann ich aber sagen, dass die Story nicht besser oder schlechter ist, wie man es von Bond halt gewohnt ist. Die einen lieben es, die anderen nicht, PUNKT.

Was mich aber echt stört ist, dass ich bis heute keine Ahnung habe, warum das Game „Blood Stone“ heisst. Der Name hat absolut nichts mit der Story zu tun (oder nichts, das ich mitgekriegt hätte. Falls doch, belehrt mich doch bitte in den Kommentaren eines besseren). Soviel ich weiß, hätte der nächste Film „Blood Stone“ geheißen, wenn nicht MGM das Geld ausgegangen wäre. Inwieweit sich die Story des Games mit der des Films gedeckt hätte, weiß ich leider nicht. So wie es jetzt steht, ist Blood Stone einfach nur ein „cooler“ Name, aber nichts weiter.

Fazit

Blood Stone als Titel vom Grabbeltisch ist für Fans von James Bond ein Blick Wert, aber auch nur, wenn man gerade auch wirklich nichts anderes mehr zum Spielen hat und sicher nicht als Vollpreistitel. Alle anderen: Lasst die Finger davon. So leid es mir tut und auch wenn ich nicht weiß, wer wem genau welchen Auftrag vergeben hat, aber unter diesen Umständen verstehe ich, dass Activision Blizzard das Studio Bizarre Creations schließen oder verkaufen wollen, wie diese Woche bekannt wurde. James Bond Blood Stone war leider gar nichts.

ANMERKUNG: Dieses Review ist auch auf meiner Partnerseite meplaying.de erschienen.

Veröffentlicht von

keats

keats spielt, liest, hört und lebt auch sonst noch...

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