Es regnet heftig…

Heavy Rain hat ja schon lange vor dem Erscheinen für Furore gesorgt. Endlich mal ein Spiel mit einer ernst zu nehmenden Geschichte und ins Detail ausgearbeiteten Charakteren wurde uns versprochen. Nun, nach dem zweifelhaften Genuss des Spiels bleibt aber von den hochtrabenden Versprechen nicht mehr viel übrig. Heavy Rain ist kein schlechtes Spiel, aber es ist eben auch kein Gutes. Es ist lange nicht so durchdacht und ausgeklügelt wie uns die Hersteller Monate lang erklärt haben und es zeichnet sich vor allem aus durch nicht fertige Storyelemente eine verschissene Steuerung und eine Geschichte, die an allen Enden Löchrig ist und teilweise zum Himmel stinkt.

Im Detail will ich jetzt hier nicht auf all die Ungereimtheiten in der Story eingehen. Die Kollegen von Polyneux haben das schon recht ausführlich gemacht wer also keine Angst vor Spoilern hat, der sollte mal den Test auf Polyneux lesen. Wenn ich nach etwas mehr als Sieben Stunden mit einem Origami-Killer und seinen Blumen allerdings kein Wort dazu höre, warum Origamis und die benannten Blumen für den Killer überhaupt so wichtig sind, dann ist das alles genau so fadenscheinig wie der Rest des Spiels. Mir geht die Frage nicht aus dem Kopf, warum eine Multi-Millionen-Dollar-Produktion es nicht fertig bringt eine Story zu erzählen, die wenigstens in den gröbsten Zügen einleuchtend und konsistent ist. In Zeiten, in denen die Film- und Gameindustrie immer mehr zusammen wächst und teilweise schon nicht mehr zu unterscheiden ist, sollte es nach meiner Ansicht nicht so schwer sein, auch mal eine GUTE Story in einem Game zu erzählen. Wo sind denn all die über- und unter-bezahlten Drehbuchautoren dieser ganzen Welt auf einmal hin…? Wohl kaum alle zur gleichen Zeit in den Ferien oder am streiken.

Am Schluss des Spiels sitze ich da mit x (gefühlten Tausend) Fragen und keiner kann sie mir beantworten. Auch ein erneutes Durchspielen wird mir nur einen Bruchteil mehr erzählen, die grossen Fragen werden auch dann bleiben und nur ein Kopfschütteln auslösen. Für ein Spiel, das mit der „brillanten Story“ verkauft wurde und die ganze Marketingkampagne darauf ausgelegt hat, ist das was dann kommt einfach zu schlecht, schlecht, schlecht.

Lasst mich noch kurz einige Worte zu den verschiedenen Enden des Spiels verlieren. Ich habe eigentlich noch nie begriffen, warum jedes zweite Spiel heute multiple Enden aufweisen soll, muss, tut, aber bei Heavy Rain ist es theoretisch auch so. Ich sage theoretisch, weil das Ende immer auf das gleiche hinausläuft, der Killer bleibt immer der Killer, das Opfer auch immer das Opfer und die anderen Protagonisten können sich verschieden dumm oder gescheit anstellen und dadurch am leben bleiben oder eben nicht. Schlussendlich kann der Spieler mit seinen Entscheidungen nur darüber bestimmen, wer, wann, wo stirbt oder lebt. Uns das als Wiederspielargument und als multiple Enden zu verkaufen und dabei wie schon oben gesagt, die Storylücken unangetastet gross zu lassen ist schon frech und verdirbt mir die Lust, das Spiel auch nur 5 min. länger zu spielen als es dauert um den Abspann zu sehen.

Zusammenfassend kann ich sagen, das Spielkonzept hat mich irre angemacht, ich finde es cool, mal etwas mehr oder weniger neues zu sehen und ich freue mich auch schon auf die Spiele die da evtl. noch kommen werden und in eine ähnliche Richtig gehen. ABER ich hoffe für meine Nerven und die Spielindustrie, dass endlich mal jemand dort oben,drüben,unten aufwacht und anfängt GUTE Geschichten zu erzählen. Kleiner Geheimtipp, warum immer schlechte neue Geschichten erfinden wenn es tausende und abertausende Geschichten gibt, die man bestens in ein Game verpacken könnte und sie auch noch an die Millionen Bücherfans da draussen verkaufen könnte… Bei den Kinobesuchern funktioniert das ja auch schon seit Jahren.

Falls jetzt Gamedesigner mitlesen, ich hätte da schon so ne Wunschliste die ihr gerne haben könnt… evtl. ginge ja dann nach all dem Regen irgendwann mal die Sonne auf.

Veröffentlicht von

keats

keats spielt, liest, hört und lebt auch sonst noch...

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